Manuela besucht das Tageszentrum in Kenia


Auf Besuch in Kenia: ein prägender erster Eindruck

 

Die Realität lässt sich nur selbst erleben!

von Manuela Patka

Als meine Schwester vor 5 Jahren die Child Destiny Foundation gründete, war für mich klar: Irgendwann flieg ich mit ihr mit. Dieses Jahr, nach Abschluss meiner Matura, war es so weit. Endlich durfte ich selber erleben, wovon sie mir schon so viel erzählt hatte.

09.09.2018: Der Tag unserer Abreise in ein für mich unbekanntes Land. Die Vorstellungen, die ich hatte, als wir diese Reise antraten, formten sich aus den vielen Fotos und Erzählungen meiner Schwester. Die Realität jedoch, lässt sich natürlich nur selbst erleben. Die Eindrücke, Erfahrungen und Gefühle, die ich auf unserer drei-wöchigen Reise sammeln durfte, versuche ich in folgenden Zeilen zusammenzufassen.

Voller Erwartungen traten wir am Montagvormittag unsere 12 Stunden-Reise, mit Zwischenstopp in Istanbul, an. Da wir Mitten in der Nacht in Nairobi landeten, ließ die karge bzw nicht vorhandene Beleuchtung auf den Straßen, die unbekannte Stadt im Dunklen. Umso intensiver waren die ersten Eindrücke bei Tageslicht.

Florence und Alex haben uns herzlichst Willkommen geheißen

Unser zu Hause für die folgende Zeit, lag in einem Teil Nairobis welcher zur Mittelschicht zählt. Einquartiert waren wir bei den Gründungsmitgliedern der Child Destiny Foundation, Florence und Alex, die uns herzlichst eingeladen haben, die Zeit in Nairobi bei ihnen zu verbringen.

Neben den vielen familiären Momenten gemeinsam mit ihren Söhnen Moses und Wayne und den liebevoll gekochten, traditionellen Speisen, bekamen wir auch Einblicke in das Leben mit ihrem beeinträchtigten Sohn Wayne. Des Weiteren erfuhren wir, dass fließendes Wasser in der Mittelschicht in vielen Teilen Nairobis nicht vorhanden ist und dass Wasser für den Haushalt gekauft und in den ersten Stock getragen werden muss. Wie viele Dinge des täglichen Lebens ein funktionierender Wasserhahn vereinfacht, wurde uns erst in diesen Momenten wieder richtig bewusst.

Die Straßen in unserem Wohnviertel, wie auch in ziemlich allen Teilen Nairobis, sind sehr belebt und an den Straßenrändern reihen sich unzählige, kleine Shops aneinander. Im Umkreis von wenigen hundert Metern findet man Obst- und Gemüsehändler, neben Fleischerein, Apotheken, Friseuren, Trafiken und anderen Geschäften –  ziemlich alles was man im Alltag braucht, kann man entlang der Straße kaufen. Neben der Fahrbahn, zwischen der Abwasserrinne und den kleinen Geschäften, tummeln sich rund um die Uhr viele Leute. Der stetig starke Verkehr wird durch das laute Hupen der Autos und Autobuse („Matatus“ genannt) unterstrichen. Die Fahrzeuge bahnen sich ihren Weg durch das „geordnete Chaos“ der Stadt.
Neben den kleinen, engen Geschäften und Häusern wirken die großen Einkaufszentren, die in der Stadt verteilt liegen, erstmals etwas fehl am Platz.

Der erste Besuch im Tageszentrum der Child Destiny Foundation war der spannendste Tag unserer Reise

Am Rande des Slums Kibera, in einer Seitengasse, verbirgt sich hinter einem großen Tor ein verhältnismäßig großer Vorhof. Noch bevor wir die Räume der Child Destiny Foundation betreten konnten, wurden wir schon durch einen Spalt im Vorhang entdeckt und mit freudigen Lauten begrüßt. Die Stimmung im großen Aufenthaltsraum war überwältigend. Die neugierigen, teilweise auch schüchternen Gesichter musterten uns aus ihren therapeutischen Sitzen heraus. Die meiste Zeit verbringen die Kinder jedoch auf Matratzen am Boden, wo dann das herrlich lebhaften Chaos erst richtig beginnt. Dabei konnte ich auch schön langsam die Talente und Lieblingsbeschäftigungen der einzelnen Kinder kennen lernen.

Die beiden Thrapeuten hatten alle Hände voll zu tun, damit jeder seine Therapie im extra Therapieraum bekommt. Zwichendurch trudeln immer wieder Mütter mit ihren Kindern zur Therapie ein. Als unterstützende Hand tat Mama Sylvia, die Mutter von Jabes, der ebenfalls im Tageszentrum ist, einen wichtigen Beitrag beim Meistern des Alltags und natürlich beim täglichen Kochen des Mittagessens. Die Mittagszeit ist die stillste Zeit des Tages, da alle Kinder mit Essen beschäftigt sind. Die meisten von ihnen müssen gefüttert werden, da ist jede helfende Hand gefragt. Nach dem Essen wird immer wieder ein müdes Kind in den extra Schlafraum gelegt, wo es abseits des Trubels ein Schläfchen halten kann.

Gerade weil ich noch keine Erfahrung mit Kindern mit Beeinträchtigungen hatte, war es für mich besonders beeindruckend die Besondeheiten der Kinder in der kurzen Zeit zumindest ein bisschen kennen zu lernen. Jeder der Schützlinge hatte seine eigene Art der Kommunikation. Besonders beeindruckt hat mich die Kommunikation von Desmond. Was anfänglich auf mich wie zufällige Handbewegungen wirkten, entpuppten sich als eindeutige Ausdrücke. Patrick, der Therapeut, wusste immer genau was er sagen möchte und übersetzte mir. Desmond ist nicht nur sehr kommunikativ, sondern hat auch ein großes soziales Verständnis und kümmert sich um alle anderen. Wenn ein Kind bei der Therapie zum Weinen anfing, war er sofort bei der Stelle und „haute“ den Therapeuten als „Strafe“.
Bei anderen Kindern war die Verständigung nicht so eindeutig, doch das Schöne war, dass man trotzdem das Gefühl hatte verstanden zu werden, wenn ein Lächeln über die Gesichter huschte.
Auch die beiden kleinen Kinder, die keine Beeinträchtigung haben, tragen ihren Beitrag bei. Sie laufen lebhaft hin und her, spielen mit den anderen, als gäbe es keinen Unterschied.

Der Besuch der Mütter im Slum hat mich sehr bewegt

Am letzten Tag, den wir im Projekt verbrachten, durfte ich einige Mütter zu Hause im Slum besuchen. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung und die Möglichkeit einen Einblick ins Leben der Klienten werfen zu dürfen. Herzlich nahmen die Mütter uns in ihrem kleinen Haus auf. In einem geschätzt 10-15m² großen Raum, sind alle Funktionen die wir normal in Schlaf-, Wohn-, Kind-, Ess- und Vorzimmer aufgeteilt haben, vereint. Oft leben neben den Kindern auch noch Großeltern, Geschwister oder andere Verwandte mit ihnen in dem einem Raum. Abgesehen von den schlechten Wohnverhältnissen in den Häusern, ist der Weg, der mit den Kindern zurückgelegt werden muss, um zur Straße zu gelangen, eine große Hürde. Die Mütter müssen ihr Kind auf dem Rücken auf engen Pfaden zwischen den Hütten hindurch schleppen. Nicht vorzustellen, wie diese Wege bei Regen aussehen. Trotz der verschmutzen Wege, Rinnsale und Müllhaufen auf und neben den Wegen war es wirklich bemerkenswert, wie sauber die Häuser der Familien waren.

Neben den tollen Erfahrungen in der Child Destiny Foundation durfte ich auch die Kultur, die Natur und Speisen bei verschiedenen Ausflügen in dem spannenden Land kennen lernen und bin sehr dankbar für die vielseitigen Erlebnisse.