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Im letzten Artikel konntest du bereits erfahren, dass in Kenia ca. 2,2 % der Bevölkerung zu den Menschen mit Behinderung gezählt werden und warum dieser Wert so stark von den allgemeinen Schätzungen der WHO abweicht.
(Mehr dazu hier.)

Heute werde ich genauer auf die verschiedenen (staatlichen) Leistungen zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung  eingehen und möchte in diesem Kontext als erstes näher auf den “Persons with Disabilities Act” aus dem Jahre 2003 eingehen. In diesem offiziellen Dokument wird gefordert, dass Menschen mit Behinderung vollen Zugang zu Gemeinde-Servicestellen und sozialen Diensten bekommen sollen.

Von der Umsetzung dieses Ziels ist Kenia auch im Jahr 2021 noch weit entfernt. Abgesehen davon, dass die meisten Servicestellen nicht barrierefrei sind, befinden sie sich in der Innenstadt und sind daher für viele Menschen unerreichbar. Die öffentlichen Verkehrsmittel in Kenia haben Stufen und schließen  daher einen großen Teil der Menschen mit Behinderung von der Nutzung aus häufig werden sie auch von Busfahrer*innen einfach nicht mitgenommen. 

Der zweite wichtige Punkt des “Persons with Disabilities Acts” ist die Registrierung dieser Bevölkerungsgruppe bei Institutionen, um die Teilnahmemöglichkeit an Rehabilitations- und Sozialhilfe-Programmen zu gewährleisten. 

Diese Registrierung ist seit 2009 ist  möglich, es gibt jedoch von Beginn an enorme Verzögerungen bei der Bearbeitung der Registrierung, so dass Betroffene sehr lange auf Rückmeldungen warten müssen.. Von den bereits registrierten Personen hat anschließend auch nur ein sehr geringer Prozentsatz (2,8 %) eine Steuerbefreiung erhalten. 

Übrigens: Auch die Büros, um den Antrag zur Registrierung für Menschen mit Behinderung zu stellen, sind NICHT barrierefrei…

Hilfsmittel für Barrierefreiheit?

Insgesamt wurden im Jahr 2019 vom Staat 3.544 Menschen mit Behinderung aus ganz Kenia mit Hilfsmitteln versorgt. Wenn man sich an die geschätzten Zahlen der WHO hält und davon ausgeht, dass 15 % der Bevölkerung zur Gruppe der Menschen mit Behinderung zählen, dann wurden im Jahr 2019 in Kenia 0,05 % der Betroffenen mit Hilfsmitteln versorgt, wobei hier verschiedene Hilfsmittelarten eingeschlossen sind, von Hörgeräten über Gehhilfen bis zu Rollstühlen.. 

Das ist definitiv zu wenig! 

Menschen mit Behinderung können benötigte Hilfsmitteln nämlich gar nicht selbst beantragen, sondern müssen über eine große Institution (mit Standort in der Innenstadt) einen Antrag stellen. Außerdem helfen Rollstühle oder Gehhilfen im Slum leider auch sehr wenig, da die Straßen uneben und voller Barrieren sind. 

Wenn das staatliche Gesundheitssystem versagt, schalten sich NGO’s ein!

Weniger als die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen werden vom Staat betrieben und der private Sektor hat die staatlichen Einrichtungen in der Anzahl schon überstiegen. Als drittes Standbein kommen noch NGO’s ins Spiel und übernehmen die Leitung von Gesundheitseinrichtungen. 

Was für die Betroffenen im Vordergrund positiv ist, bringt jedoch weitere Probleme mit sich. Durch die Übernahme durch private Dienste und NGO’s macht sich die kenianische Regierung im gesundheitlichen Sektor weiter abhängig vom “Westen” und die Politik wird mit den Spendenorganisationen geführt, anstatt mit Betroffenen. So kommt es, dass in offiziellen Dokumenten zur Verbesserung der Situation von Menschen mit Behinderung geschrieben wird: “[…] national development programmes should not ignore Persons with Disabilities. Rather, all such programmes should be designed and implemented with Persons with Disabilities in mind.”

Die Child Destiny Foundation setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderung nicht nur “mitbedacht” werden, sondern selbst zu Wort kommen können und Betroffene so weit wie möglich selbst bestimmen können, welche Hilfe für sie notwendig ist! 

Quellen:
Patka, Claudia (2017): Children with Disabilities in Nairobi’s Kibera Slum
https://www.health.go.ke/backlog-of-32000-registration-applications-by-persons-with-disabilities-to-be-cleared/
http://ncpwd.go.ke/images/Our_Programs/ASSTIVE-DEVICES-BENEFICIARIES-FY-2019.2020-compressed.pdf