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Im letzten Blogartikel habe ich über den Slum Kibera und seine Entstehung geschrieben. Falls dich das interessiert, klicke hier.Aufbauend darauf werde ich heute versuchen, dir einen Eindruck davon zu vermitteln, was es heißt in einem Slum zu leben und dazu auch ein paar Bilder mit dir teilen. (Kurze Anmerkung hier: die Bilder sind schon einige Jahre alt und wurden mir von einem kenianischen Sozialarbeiter zur Verfügung gestellt. Das betone ich deshalb, weil es mir ein Anliegen ist, den “Slum-Tourismus” nicht zu verstärken. Der Begriff beschreibt weiße Menschen, die mit einer Kamera ausgestattet im Slum unterwegs sind und ungefragt fotografieren…doch darüber möchte ich in einem weiteren Artikel schreiben.)

Doch schauen wir zunächst einmal zu uns nach Österreich: Der Wecker klingelt und nachdem ich mich noch ein-, zweimal gemütlich im Bett umgedreht habe, stehe ich langsam auf, gehe zur morgendlichen Pflege ins Badezimmer, um mir anschließend in der Küche einen Kaffee zu machen. Du stimmst mir sicher zu, dass man so oder so ähnlich wohl einen ganz normalen Morgen in Österreich beschreiben könnte, oder?

Wenn das Aufwachen am Morgen schon zur Herausforderung wird:

Für über 170.000 Menschen, die im Slum Kibera leben, könnte ein solcher Start in den Tag kaum realitätsferner sein und wäre wohl nur zu erträumen. In einem Haus, das meist nicht größer als 10m² ist, schläft die ganze Familie in einem Bett bzw. auf Matratzen, die untertags verräumt werden müssen. Fließendes Wasser, geschweige denn sanitäre Anlagen wie Toiletten gibt es in den Häusern nicht und so führt einer der ersten Wege in der Früh zu den öffentlichen Toiletten in Kibera. Zur Toilettennutzung werden außerdem jedes Mal kleinere Beträge eingehoben.

Da der Slum Kibera illegal entstanden ist, sind infrastrukturelle Maßnahmen, wie befestigte Straßen oder Wege, Abwassersysteme oder ein Müllentsorgungssystem in der Regel nicht vorhanden. Daher führt der morgendliche Weg vorbei an großen Müllablagerungen und verdreckten Bächen, die an vielen Stellen in Kibera zu finden sind. 
Viele alltägliche Tätigkeiten, wie zum Beispiel das Kochen eines morgendlichen Tees, werden vor das Haus ins Freie verlegt und sind dadurch nur wetterabhängig möglich.
Aufgrund der beschriebenen Lebensbedingungen in Kibera ist es nicht verwunderlich, dass die Infektionsrate mit Erkrankungen wie Tuberkulose, Cholera oder Diarrhoe sehr hoch ist. Ganz im Gegensatz zur medizinischen Versorgung in Österreich, müssen Kenianer jeden Arztbesuch und alle Medikamente selbst bezahlen. Doch wie soll das gehen, mit einem durchschnittlichen Monatsgehalt von ungefähr 35 €?

Was unternimmt die Regierung, um die Lebensbedingungen im Slum Kibera zu verbessern?

Die Regierung von Kenia hat in den letzten Jahren schon einige Maßnahmen gesetzt, die zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen in Kibera führen sollen. So wurden unter anderem die Hauptstraßen in den Slum vergrößert und Abwasserrinnen gegraben. Auch viele NGO’s arbeiten daran, das Leben der Bewohner*innen im Slum zu verbessern und starten Aktionen, um den Müll zu entsorgen und die Menschen medizinisch zu versorgen. 

Auch wenn schon Veränderungen spürbar sind, ist das Leben für die Familien im Slum Kibera nach wie vor eine Herausforderung und gerade bezüglich der Situation von Menschen mit Behinderung  ist noch eine intensive Auseinandersetzung nötig.

Im nächsten Artikel werde ich auf ihre Situation und die täglichen Herausforderungen der Mütter von Kindern mit Behinderung genauer eingehen. 

Quellen:
Auszüge aus Gesprächen mit Betroffenen
Patka, Claudia (2017): Children with Disabilities in Nairobi’s Kibera Slum

Noch ein Nachtrag der Autorin zum Schluss:

Unsere Vereinsarbeit besteht zu einem Großteil darin, Spenden für das Tages- und Therapiezentrum für Kinder mit Behinderung in Kibera zu akquirieren. Wir sind in Österreich in einer sehr privilegierten Situation und haben aufgrund der Bilder, die wir in den Medien sehen, ein gewisses Bild von “Afrika”. Die vielen unterschiedlichen Länder auf diesem Kontinenten werden meist nur zusammengefasst als “Afrika” bezeichnet und am bekanntesten sind uns wohl die Bilder von hungernden Kindern, die uns dazu bewegen sollen durch finanzielle Unterstützung zu helfen.

Ich möchte hier hervorheben, dass wir uns diesem Bild nicht bedienen möchten und uns der ungerechten Medienberichterstattung bewusst sind. Auf der anderen Seite, ist unsere Organisation in diesem Slum tätig und ich möchte zeigen, was die besonderen Herausforderungen sind. 

Bei vielen Blogartikeln, E-Mails und Postings bin ich mir unsicher, wie dieser Spagat zwischen Fundraising und gerechter Berichterstattung bestmöglich gelingen kann. In den letzten Jahren habe ich in Bezug auf diese Thematik viel lernen und auch meine Arbeit in diesem Bereich anpassen dürfen. Aber wenn ich ehrlich bin, kann ich keine objektive Berichterstattung gewährleisten. Ich kann nicht für die Menschen in Kenia sprechen und werde alle meine Artikel immer aus einer europäischen, privilegierten Perspektive schreiben. Aber was ich kann, ist auf die Situation aufmerksam machen und Schritte zur Veränderung setzen. Ich kann Menschen einbeziehen und sie zu Wort kommen lassen, was für die Zukunft auch vermehrt geplant ist. 

Da ich die Vereinsarbeit sowie das Schreiben der Blogartikel, E-Mails und Postings in meiner Freizeit mache, und auch kein Geld daran verdiene, braucht es manchmal etwas mehr Zeit, bis gewisse Veränderungen umgesetzt werden. Ich freue mich, wenn ihr mich/uns auf diesem Weg weiterhin begleitet.

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